Dienstag, 7. Dezember 2010

Was kostet QE2?

Eine starke politische Fraktion (Republikaner, Sarah Palin’s Tea Party, Wolfgang Schäuble usw.) versucht, bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, die US-Notenbank anzugreifen. Die ungewöhnliche Kritik hat sich zuletzt in Form eines offenen Briefs, der von 23 Ökonomen (alle Anhänger der Republikanischen Partei) in WSJ verfasst wurde, zugespitzt. Die Kritiker sind gegen den Ankauf von Staatsanleihen (QE=quantitative easing) durch die US-Notenbank. Begründung: langfristig ausufernde Inflation und anhaltende Abschwächung des US-Dollar-Wechselkurses. Die republikanische Partei will v.a. verhindern, dass die Fed die US-Wirtschaft ankurbelt. Einige republikanische Senatoren wollen sogar das Doppel-Mandat der Fed kippen. Die US-Notenbank soll sich demnach nicht mehr um die Beschäftigung, sondern nur noch um die Inflation kümmern und den Greenback stark halten.


Inflationserwartungen anhand von TIPS (5 und 10 Jahre Laufzeit), Graph: James Bullard, Federal Reserve Bank of St. Louis

Die Fed zielt nicht darauf ab, das nominale Renditeniveau von US-Treasury Bonds zu senken, sondern die reale Rendite zu reduzieren, indem sie dafür sorgt, dass die Inflationserwartungen zunehmen. Bisher ging das gut, wie  James Bullard, Fed-Präsident St. Louis vergangene Woche erklärt hat. Seit Ben Bernankes Jackson Hole Rede sind die realen Renditen gesunken, die Inflationserwartungen gestiegen, die Aktienkurse weiter geklettert, und der Dollar hat sich abgewertet. Der jüngste Anstieg der Rendite der US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit auf höher als 3% unterstreicht, wie die  FT Alphaville berichtet, dass die aktuellen Indikatoren der Wirtschaft besser als erwartet wahrgenommen werden, natürlich abgesehen von Arbeitslosigkeit und dem Immobilienmarkt.


Realzinsen anhand von TIPS (mit 5 Jahren Laufzeit), Graph: James Bullard, Federal Reserve Bank of St. Louis

Die Kritik an QE2 fokussiert auf die Inflation und die Bilanzsumme der Fed. Die wahren Kosten von QE2 lassen sich aber nicht in Dollars quantifizieren, jedenfalls nicht unmittelbar. Ben Bernanke scheint daher einen Drahtseitakt vollzuführen, wobei er die Balance zwischen der Unabhängigkeit der Fed und der Wahrnehmung des Doppel-Mandats der Notenbank behalten muss. Seine Handlungen und Worte stehen, wie FT Alphaville hervorhebt, im Einklang mit seiner Aufgabe. Fed-Vorsitzender hat nicht die Grenzen seiner Zuständigkeiten übertreten. 

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